Ev. - Luth.  Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17   10717 Berlin   

Auf ein Wort

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut (Lukas 15,10). Jesus   erzählt   ein   Gleichnis,   in   dem   es   nicht   weniger   dramatisch   zugeht   als   in   vielen   Such-   und Rettungsaktionen   unserer   Zeit.      Da   hebt   ein   gelber   Hubschrauber   ab   und   alle,   die   ihn   sehen,   wissen, dass höchste Lebensfefahr für jemanden besteht. Viele   Zöllner   und   Sünder   nahten   sich   zu   Jesus,   so   berichtet   Lukas.   Und   natürlich   müssen   die   ganz Korrekten,   die   Oberen   im   Volk,   die   Pharisäer   und   Schriftgelehrten,   dagegen   protestieren:   „Was, dieser   Mensch   lässt   sich   mit   denen   da   ein?”   Aus   der   Sicht   der   Pharisäer   schneidet   Jesus   schlecht ab:   Er   ist   ein   Freund   der   Zöllner,   der   Betrüger   und   Sünder,   also   all   jener,   die   viel   auf   dem   Kerbholz haben. Ihnen   erzählt   Jesus   die   Geschichte   von   einem   Menschen,   der   nach   verlorenem   Gut   suchte.   „Welcher Mensch    ist    unter    euch,”    so    beginnt    Jesus    sein    Gleichnis.    Gleichnis    heißt:    Jesus    erzählt    keine unverbindliche   Geschichte,   weil   er   die   Menschen   unterhalten   will,   sondern   er   erzählt   ein   Gleichnis, weil er sagen will: Der Mensch in dem Gleichnis, das bin ich. So handele ich an euch. Der   Hirte,   dem   ein   Schaf   abhandengekommen   ist,   kann   nicht   warten,   bis   das   Schaf   von   alleine   zur Herde   zurückfindet.   Er   muss   handeln,   die   Initiative   ergreifen.   Jesus   ist   der   gute   Hirte,   der   sein   Leben voll und ganz für die Schafe einsetzt.   Das   Gleichnis   redet   von   Schafen.   Natürlich   sind   damit   wir   Menschen   gemeint.   Und   er   sucht,   was   ihm abhanden   gekommen   ist.   Er   lädt   nicht   nur   zur   Umkehr   ein   und   ruft,   sondern   er   geht   aktiv   dem Verlorenen nach, hinaus in die Nacht, wo die vielen Gefahren auf das verlorene Schaf lauern. Verlorengehen   müssen   wir   hier   nicht   nur   als   ein   Abhandenkommen   verstehen,   im   Sinne   von   „ich weiß   nicht   mehr,   wo   ich   es   hingelegt   habe“,   sondern   es   schwingt   darin   auch   das   Zugrundegehen   mit, die akute Todesgefahr, in der sich das verlorene Schaf befindet. Wer   sind   denn   die   Verlorenen,   in   diesem   Gleichnis   und   auch   sonst?   Die   Pharisäer   rechneten   sich selbst   nicht   zu   den   Verlorenen,   zu   den   Sündern   und   Zöllnern. Aber   kommt   es   darauf   an,   wie   wir   uns selbst   einschätzen?   Können   wir   Gott   gar   beeindrucken   mit   dem,   was   wir   vorgeben   zu   sein?   Nein, das   geht   nicht.   Gott   können   wir   nichts   vormachen.   Das   lässt   er   nicht   gelten.   Es   kommt   nicht   darauf an,   wie   ich   mich   selbst   sehe.   Es   kommt   alles   darauf   an,   wie   Gott   mich   sieht.   Er   weiß,   wie   es   um   uns steht. Er lässt uns im Spiegel seines Gesetzes erkennen, dass wir seine Gebote übertreten. So   wichtig   sind   wir   Gott,   dass   er   uns   einzeln   nachgeht.   Er   lässt   sein   Wort   zwar   allgemein   für   alle verkündigen,   aber   er   geht   auch   jedem   einzeln   nach.   Damit   hat   er   bereits   in   der   heiligen   Taufe begonnen, als er versprach, mit mir durchs Leben zu gehen und bei mir zu bleiben.   Gott   geht   Sündern   nach.   Er   sucht.   Und   er   findet.   Er   hat   Erfolg.   Es   ist   gut,   wenn   wir   uns   selbst   immer wieder   über   seine   Zuwendung   und   Liebe   freuen.   Das   tun   wir   sonntäglich,   wenn   wir   zur   Feier   des Gottesdienstes   und   zum   Empfang   des   Heiligen   Abendmahles   zusammenkommen.   Lassen   wir   uns also   immer   wieder   sagen:   Nicht   die   anderen,   sondern   ich.   Nicht   die   haben   es   ja   wohl   nötig,   sondern ich   habe   es   nötig,   dass   der   gute   Hirte   mir   nachgeht   und   mich   aufsammelt.   Dafür   lässt   er   die   99 stehen und geht mir nach, denn so wichtig bin ich ihm. Ihr Edmund Hohls